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By Joachim Fest

ISBN-10: 3498020889

ISBN-13: 9783498020880

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Leider scheue er, fuhr Haffner fort, die unendlichen Mühen der Quellenarbeit, die Langwierigkeit des Vorhabens sowie die dauernde Nötigung zu den Einzelheiten. Zwar habe er großen Respekt vor dem Material, es öffne sozusagen den Durchgang zur Erkenntnis. Aber er sei so ungern in dessen Gefangenschaft und leide buchstäblich unter dem Zwang, den die Aktenhaufen jenem freien Gedankenspiel antun, das er über alles liebe. Das größte Hemmnis für 31 ihn sei aber, daß er im Blick auf das Ganze keinen Vorgang und bei den führenden Akteuren des Regimes keinen einzigen Charakterzug entdecken könne, «die mir Spaß machen».

Ich habe, von einigen mehr oder minder vagen Vermutungen abgesehen, nie herausgefunden, was der Anstoß dafür gewesen war. Meist begannen unsere Unterredungen bei den schwierigen Fragen der Organisation der Stoffmassen, gingen dann etwa zu den politischen Kräfteverhältnissen der Weimarer Jahre über und von dort zu einigen biographischen Zuordnungen. Doch ehe ich mich’s versah, waren wir bei dem, wie Haffner behauptete, gezielten Abbau der demokratischen Institutionen der Bundesrepublik, bei der «Springerpresse» oder dem «neuen Faschismus», der, seiner Überzeugung nach, die von einer offiziell reumütigen Nation akzeptierte Form des Nationalsozialismus sei.

Der Führer der NSDAP hat aller Welt offenbar gemacht, daß die Rhetorik von den «Völkersignalen» und dem «Letzten Gefecht», das Europa bis dahin in Angst und Schrecken versetzt hatte, nur ein «Maulheldentum» war, das «schon von Marx herkam». Für Hitler sei die ganze Weltrevolution nicht mehr als ein «mittleres Polizeiproblem» gewesen. », schloß er. So kamen wir vom einen zum anderen, und natürlich gab es häufig auch Meinungsverschiedenheiten. Haffner versicherte beispielsweise, die Mehrheit der Wähler habe schon 1933 Hitlers Kriegspläne befürwortet, die Stimmen, die er gewann, seien stets auch ein Votum gegen den «schlappen Pazifismus» der Epoche gewesen.

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Begegnungen. Über nahe und ferne Freunde by Joachim Fest


by Christopher
4.1

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